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Jaqueline – wenn plötzlich die Sterilisation an allem schuld ist …

  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

TW: Sterilisation


Hallo, mein Name ist Jaqueline, und ich habe vor kurzem die Diagnose Endometriose und Adenomyose erhalten.


Mein Weg beginnt schon in frühen Jahren: Unterleibsschmerzen, die so stark waren, dass ich kaum gerade stehen konnte. Die Pille bekam ich schon als Teenager als Allheilmittel verschrieben, und dennoch war keine Besserung in Sicht. Es gab nur den einen Weg – Hormone. Und auch heute zeigen die Ärzte kaum einen anderen Weg auf.


Nachdem ich 11 Jahre lang die Pille genommen hatte, legte ich eine Pause ein und versuchte, meinen natürlichen Zyklus zu finden. Fast vergebens, denn kurze Zeit später drängte sich in meinem Geist der Wunsch auf, mich sterilisieren zu lassen. Ich wusste früh, dass ich kein eigenes Kind haben möchte. Die Gründe dafür sind verschieden, aber vor allem empfinde ich keinen Wunsch in diese Lebensrichtung. Also ging ich diesen Schritt. Ich war noch keine 30 Jahre alt, und es war beschwerlich, diesen Weg zu gehen, aber ich fand einen Weg. Die Welt urteilt gerne vorschnell.


Mein Hormonhaushalt geriet durch die Sterilisation ins Chaos. Ich ging monatelang von Frauenarzt zu Frauenarzt. Musste mir anhören, dass die Schmerzen von der Sterilisation kämen und ich am besten wieder mit der Pille beginnen sollte. Ich wechselte den Frauenarzt. Wieder und wieder, bis eine Ärztin mich schließlich zur Endometrioseklinik verwies. Ich machte einen Termin, voller Hoffnung und am Ende meiner Kräfte. Die Monate vergingen bis zum Termin, und als dieser endlich da war, knallte ich förmlich auf den Boden der Tatsachen. Die sogenannte Fachärztin erwies sich als eine Frau der Vorurteile. Sie hörte mir kaum zu und schob meine Schmerzen immer wieder auf die Tatsache, dass ich mich habe sterilisieren lassen, obwohl es nicht erwiesen ist, dass daraus Schmerzen resultieren sollten. (Es besteht natürlich das Risiko, in die Wechseljahre oder in einen ähnlichen Zustand zu kommen.) Ich überstand den Termin, der mit dem Ratschlag der Ärztin endete, ich solle doch bei starken Schmerzen zwei anstatt von einer Ibuprofen nehmen. (Sehr hilfreich.)


Danach fiel ich in ein tiefes Loch, körperlich, aber vor allem emotional. Ich ignorierte meine Schmerzen so gut es ging und war felsenfest davon überzeugt, dass ich sie mir nur einbildete. Ich ging kaum noch zum Arzt, auch wenn meine neue Ärztin sehr verständnisvoll war. Aber niemand konnte mir helfen. Die Jahre gingen ins Land, und meine Schmerzen wurden mit jedem Monat schlimmer. Irgendwann ging ich doch wieder zum Arzt und ließ mir die Pille aufschreiben. Die erste Pille zeigte keine Wirkung. Zuerst eine Pille nur mit Gestagen, ohne Östrogen. Dann das zweite Präparat, nur von einer anderen Firma, ebenfalls ohne Wirkung. Ich bekam starke Zwischenblutungen und heftigere Schmerzen. Mein Körper bildete Zysten, die jeden Monat zum Zyklus platzten und mir extreme Schmerzen verursachten. Also musste die nächste Pille her. Dieses Mal mit Östrogen. Das nächste Hormonchaos entstand. Woche um Woche. Monat um Monat hörte ich mir von meiner Ärztin an, dass die Zwischenblutungen normal seien, dass die Schmerzen besser würden und weitere Ausreden. Ich sollte zuerst die Pille durchgehend nehmen, dann sollte ich eine Pause einlegen. Und wieder von vorne. Mir ging es wirklich schrecklich. Ich schaffte es teilweise kaum, am sozialen Leben teilzunehmen. Die Möglichkeit zu planen nahmen mir meine Schmerzen. Wie sollte ich mich verabreden, wenn ich gar nicht wusste, wie die nächsten Tage aussehen würden?


Dann erfuhr ich durch Zufall von meiner Frauenärztin, dass die „Fachärztin“ aus der Endometrioseklinik eine Diagnose gestellt hatte. Ich habe Endometriose. Es war ein Schock. Das Wort stand im Raum. Es war nicht nur in meinem Kopf. Es sollte schwarz auf weiß auf dem Bericht stehen, den ich jahrelang nicht zu Gesicht bekommen hatte. Jahrelang hatte ich mir anhören müssen, dass meine Schmerzen Einbildung waren.


Ich nutzte diesen Schwung Hoffnung und machte einen erneuten Termin, dieses Mal in einer anderen Klinik. Ich hatte Glück und bekam schnell einen Termin. Ich bin ehrlich zu euch: Ich hatte Panik. Mein Herz schlug schnell in meiner Brust, und mir war übel vor Aufregung. Aber die neue Ärztin war nett. Sie zeigte Verständnis. Sie hinterfragte nicht meine Entscheidung und sprach kein Wort über meine Sterilisation, denn im Vordergrund stand nur meine Krankheit. Die Ärztin nahm sich viel Zeit, machte einen ausgiebigen Ultraschall und stellte nicht nur die Endometriose fest, sondern auch eine Adenomyose. Endlich bekamen meine Schmerzen ihren Namen. Es waren nur Worte, aber für mich bedeuteten sie weitaus mehr. Ich habe mir meine Schmerzen nicht eingebildet. Sie sind echt, und sie haben einen Grund.


Kurz darauf bekam ich meine erste Bauchspiegelung. Heute, Tage nach der OP, habe ich endlich einen Weg vor Augen. Es wurden zwei Herde entfernt. Wahrscheinlich wird kein Wunder passiert sein, aber dennoch wurde etwas Störendes entfernt, und womöglich werde ich jetzt ein klein wenig weniger Schmerzen haben. Aber vor allem habe ich eine Möglichkeit. Meine Schmerzen haben ihre Berechtigung und einen Namen. Und ich kann jetzt dafür kämpfen, dass es mir besser geht. Denn ich bin nicht verrückt und habe mir nichts eingebildet. Das wirkt viel besser als jedes Schmerzmittel. Hoffnung kann einem viel Energie geben. Das fühle ich gerade.



Wir alle brauchen einen Namen für die Schmerzen in unserem Körper.


Jaqueline




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